Initiative Siglinde
Ein Strickprojekt in Bosnien-Herzegowina, um die Lebensqualität von Frauen, die dort durch den Krieg viel verloren haben, wieder zu entfalten

Die bösen Russen und anderer Unsinn

„Diese gemeinen Russen, die wollen uns alle umbringen!“, so sagt in meinem Beisein Elsbeth zu ihrem Mann.

Ich antworte:

„Liebe Elsbeth; ich möchte dich mal was fragen.

Sind es wirklich DIE Russen, die all das tun, was im Momet in der Ukraine läuft?
Sind es wirklich DIE Russen, die diesen Krieg definierten?
Was hat eine sibirische Bauersfrau mit der Entscheidung zu tun, ob es Krieg gibt oder nicht?
Was hat ein Moskauer Familienvater, der seine Familie gerade so ernähren kann, damit zu tun, ob es Krieg gibt oder nicht?
Was haben Millionen von Menschen in Russland damit zu tun, welche Abmachungen zwischen den Lobbyisten getroffen werden (Lobbyisten, die sie nicht kennen und auch mit großer Wahrscheinlichkeit nie treffen werden, geschweige denn mit ihnen etwas zu tun haben werden)?
Wieso gehen Tausende Russen auf die Straße und demonstrieren unter Einsatz Ihres Lebens gegen das,was geschieht?
Weil sie alle die bösen Russen sind?
Ist es nicht augenscheinlich, dass das Unsinn ist?“

Ich führe nicht noch mehr Fragen auf, da Elsbeth hier schon leichte Schwierigkeiten hatte es zu verstehen.

Ich frage weiter :
„Aber als weiterer Trennungsmechanismus zwischen den Menschen scheint es zu funktionieren.
Wieso ist es nötig, die Menschen in so eine Position zu bringen, in der sie sich voneinander abtrennen?
Wofür ist das gut?
Wer braucht das und warum?
Hat man die Menschen erst mal so weit, dass das Feindbild geschaffen ist, was kann als Nächstes kommen?
Wofür braucht man ein Feindbild?
Was tut man mit Feinden ?
Was tut man nicht mit ihnen?
Ist das geschaffene Feindbild etwas, was eine Vorbereitung ist für etwas anderes?“
Elsbeth kommt ins Überlegen ....

Ich spreche weiter :

„Weißt du, eventuell ist es nötig, zuerst einen Schmerz zu verursachen, um dann auf der Basis dieses Traumas eine Erklärung dazuzutun, und wegen des Schmerzes ist manoffen für vieles, sodass es dann heißen kann: 'DIE BÖSEN RUSSEN WAREN ES!'

 

Das vermischt sich wunderbar mit dem Zorn und der Wut und Trauer über das eigene Leid und den Verlust von Menschen, Freunden und dem Zuhause. Was meinst du, was das für ein Zündstoff für möglicherweise gelenkte Aktion sein kann … Ja, gelenkte Aktion.

Weißt du, es ist niemals das ganze russische Volk, das diese Dinge tut. Es sind teils junge, indoktrinierte, durch Drill und Strafe hinerzogene Vasallen, Nachahmer oder solche, die sich in diesen Systemen hochgearbeitet haben, um mehr belobigt und in das Vertrauen weniger gezogen zu werden, um schließlich das zu tun, was auch für sie wiederum entschieden wurde. Eben die sogenannten höheren Vasallen.
Eben die sogenannten höheren Vasallen.
Nicht zu vergessen ordentliche Soldaten und Politiker, die versuchen, eigene Sichten zu bilden. Also, soweit erst mal.

Liebe Elsbeth , siehst du, was ich meine? 'DIE BÖSEN RUSSEN KOMMEN UND BRINGEN UNS ALLE UM!' Das kann ich hören, aber ist das wirklich so?“

 

Elsbeth wendet sich an ihren Mann Sigfried, beide schauen sich an, ein leichtes schüchternes Lächeln: „Na ja, da ist was dran, was du sagst ...“
Siegfried stellt eine interessante Frage: „Was tun wir jetzt? Auch wenn es nur wenige sind, die dies verursachen

„Gute Frage, Siegfried. Erst mal erzeugen wir keine zusätzlichen falschen Sichten und lassen uns nicht durch Unsinn abholen, plappern ihn auch nicht nach. Wir halten diese Differenzierung aufrecht. Wir helfen, wo es geht, mit allem, was geht. Jeder kann etwas tun, was auch immer. Es nicht zu tun, das ist manchmal zu wenig.

 

Ich höre gelegentlich: 'Hat es denn dann überhaupt Sinn, noch weiterzuarbeiten und kreativ zu sein?'

Ich sage Ja. 'Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.' Von wem dieser Spruch stammt, das ist nicht bekannt. In jedem Fall sagt er aus, dass es die gemeinsame Qualität im Geiste und in der Handlung sein wird, die entweder die Kurve aufhält oder sie flacher macht. Beides ist lebensnotwendig.

 

In der Gegenwart gibt es Hoffnung für jedes Problem, egal wie groß es erscheinen mag, was im Verstand und in unserem Innenleben alles sich dazu abspielt. Da musst du dich nicht jeden Tag reinfallen lassen.

Der momentane Schrecken braucht einen positiven Gegenpol und dieser Gegenpol sind auch unsere Gedanken und Handlungen.
Weitergehen, weitermachen, in hoher Qualität und Werten, was auch immer kommen mag, das ist auf jeden Fall der bessere Weg.

Wisst ihr, jeder von uns ist jetzt aufgerufen, das Seine zu erdenken und zu tun, und noch ein bisschen mehr obendrauf.

Soll es uns gelingen!“


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